Einseitig bespielte weiße 7" mit braunem Siebdruck auf der Rückseite.
„Sincerely, Thees Uhlmann“ Autobahn, Feldwege, Landstraßen. Thees Uhlmann ist längst sein eigener Road Movie. Doch erst dieses Album zeichnet den Trip mitreisetauglich nach. Er führt vom AJZ bis ins Stadion, von Hemmoor bis nach New York, durch mehr als drei Jahrzehnte wiedervereinigtes Deutschland. Rock, Indie, Punk und was nicht sonst noch alles. Lichthupe aber nur im äußersten Notfall. „Das ist nicht die Sonne, die untergeht / Das ist die Erde, die sich dreht“ („Schönheit der Chance“) The Tomte Years (1994 - 2010) In einem kleinen Studi-Appartement in Köln. Auf mausgrauen Teppichfliesen haben sich Bandmitglieder der Gruppe Tomte gesammelt. Adrenalin, Unruhe, Alkohol. Es ist tiefste Nacht, irgendwann um die Jahrtausendwende, einer fuchtelt mit einer Baustellenbeleuchtung herum, ein weiterer hat offenbar Lappen und Schwämme vom Reinigungswägelchen geklaut, das beim Supermarkt um die Ecke stand. Oh, Gott! Das haben doch garantiert die scheiß Nachbar gesehen. Thees Uhlmann muss diese entgrenzten Leute zur Ordnung rufen, denke ich. Er ist doch ihr Vorgesetzter, ihm hatte ich leichtfertig zugesagt, wenn’s eng wird, könne „wer bei mir pennen“. Doch müde sieht hier keiner aus - und auch Thees wirkt nicht so, als hätte er Interesse, den Wahnsinn aufzuhalten, eher im Gegenteil. Los geht die Story von „Sincerely, Thees Uhlmann“ und von Tomte ohnehin früher. Wenn man nicht gleich zu ihrer ersten Demo-Kassette in den alten Jugendkeller reisen will, führt sie allerdings noch mal nach Köln. Dort hatte Thees selbst eine Zeit lang gewohnt. „In Köln und dann in meinem Zimmer“ stellt das früheste Stück dieser Sammlung hier dar. Es erschien auf Tomtes allererster Vinyl-Single „Blinkmuffel“ und klingt wie sich einfach mit seinen friends den Hang runtertreten - der Rest wird sich schon finden. Für einen so dringlichen Song reicht dann auch eine Minute vierzig, grüner wird’s nicht. Ohnehin findet sich in den frühen Stücken bereits vieles von dem, was Thees‘ Songwriting ausmacht: Sprachwitz und Prägnanz, Überschwang und Melancholie. Und eine regionale Verknüpfung, die über die Dekaden nie abreißen wird, das ominöse Hemmoor: „Du denkst, du bist kurz hinter New York / Doch Hemmoor ist cooler als wie Du / Da weiß man wenigstens, woran man ist“. Später erscheint „In Köln“ auch noch mal auf dem Tomte-Debütalbum. „Du weißt, was ich meine“, eine ungeduldige Punk-Platte. Parole: Einfach mal alles total an sich ranlassen. Außerdem markiert sie den offiziellen Beginn der longlasting Bromance zwischen Thees und Marcus Wiebusch, die bis heute Indie-Deutschland auf den Karten hält: Grand Hotel Van Cleef. Tomte selbst geraten erst in den Nuller Jahren zu größerer Aufmerksamkeit, ihre Songs laufen in den alternativen Discos, die Clips auf VIVA, „Korn und Sprite“, „Schreit den Namen meiner Mutter“, „Ich sang die ganze Zeit von Dir“, „Der letzte große Wal“ und so. Aufgekratzt, nahbar, getrieben. Wenn es einen Indie-Promi der Nuller gab, von dem du nachts um drei noch eine lange, wilde Nachricht auf deine Fanfrage bekamst, dann war der Absender garantiert sincerely Thees Uhlmann. Last man standing halt. Wohingegen das Tomte-Line-Up ab den 2000ern immer unsteter erschien. Es war Thees, der hängenblieb, der Publikum wie Medien eine ganz eigene hemdsärmelige Darling-Persona ins Gedächtnis zimmerte. Die wechselnden Goldstücke, die außer ihm Tomte waren, trugen viel zur Story bei, nicht nur Baustellenlichter oder Schwämme vom Reinigungswagen. Doch die Zeichen standen gegen Ende der Dekade auf Veränderung. Die Thees Uhlmann Erfahrung (2011 – present) „Was ich übers Leben weiß / weiß ich aus ‚Stand By Me‘“ („Danke für die Angst“) Dass Thees solo weitermachen würde, scheint daher auch eher folgerichtig denn überraschend. Trotzdem ändert bereits der erste Song des ersten eigenen Albums seine Wahrnehmung als Songwriter. „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, ein Once-In-A-Lifetime-Stück über Rückführung und Neubeginn, dazu läuft ein Super-8-Video. In einem Podcast erzählt Thees einmal, wie er in seiner Heimat Hemmoor und auch noch später immer erstmal um sich selbst als Künstler gekämpft habe. Der Song steht dafür, diesen Struggle überwinden zu können. Sich nicht mehr hinter einer ewigen Suche verstecken müssen. Sich trauen, etwas zu finden. So werden die drei bisherigen Solo-Alben jedes für sich zu einem Statement Piece. Etwas, an dem man sich orientieren kann. Eine Art verloren geglaubter Humanismus mit Gitarren, stürmische, wehmütige Momente, Witz, Sehnsucht, Trost. Die Songs versuchen eine genauere Markierung zu sein, als es GPS je hinkriegen könnte. In „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop-Videodrehs nach Hause fährt“ verschränkt Thees Uhlmann Machtlosigkeit vs. Verantwortung mit Zumutungen des Zeitgeists. Gleichermaßen intim und hymnisch eingefasst in eine lakonischen Erzählung. Dieser Typ sollte echt mal ein Buch schreiben, denkt man. Und weiß natürlich: Hat er doch. Mehr als eins. „Sophia, der Tod und ich“ wurde letztes Jahr von Charly Hübner verfilmt. „Egal, was ich tun werde, ich habe immer an dich gedacht“ von dem Soundtrack stellt den jüngsten Song auf dieser Langzeitstudie dar – und er sagt: Gib gut auf dich acht und vor allem meint er es auch genauso. Sincerely Thees Uhlmann eben. Text: Linus Volkmann
Inhalt der Box:- Das Album "Junkies und Scientologen" als Doppel-LP/CD- Das Bonus Album "Gold" (8 unveröffentlichte deutschsprachige Coverversionen) als LP/CD - Downloadcode zu allen Songs- Thees Uhlmann Soundbox mit 16 verschiedenen Audiosnippets- Thees Uhlmann Plastiskop Bildbetrachter- Handsignierter FotoprintInsgesamt 5 Tonträger
Limitierte einseitig bespielte 7" in weißem Vinyl. Rückseite signiert vom Regisseur Charly Hübner und von Thees Uhlmann.
HUMANISMUS IST NICHT VERHANDELBAR Unter Schafen Records und Grand Hotel van Cleef präsentieren mit "Seenotrettung ist kein Verbrechen" eine große Benefiz-Compilation, deren kompletter Erlös an den Sea Punks e.V. gespendet wird, damit das neu gekaufte Seenotrettungsschiff SEA PUNK ONE im September auf erste Mission im Mittelmeer aufbrechen kann. Der Sea Punks e.V. wurde im Herbst 2019 von den Brüdern Benjamin, Raphael und Gerson gegründet. Sie streben nach einer Gesellschaft, in der Flüchtende willkommen geheißen und unterstützt werden. Eine Gesellschaft, in der diese Menschen als Teil der Gemeinschaft und nicht als Problem wahrgenommen werden. Eine Gesellschaft, die nicht dabei zusieht, wie Menschen sterben, weil sie auf ihrem Fluchtweg ignoriert, abgewiesen oder zurückgedrängt werden. Mit dem neu gekauften Schiff SEA PUNK I sollen die Menschenleben von Geflüchteten im Mittelmeer gerettet werden. Damit das Schiff im September wie geplant auf erste Mission gehen kann, fehlt Geld. Viel Geld. Einen Teil der Finanzierung möchten die unabhängigen Plattenfirmen Unter Schafen Records aus Köln und Grand Hotel van Cleef aus Hamburg leisten. Gemeinsam haben die beiden traditionsreichen Indie-Labels einen großen Benefiz-Sampler kompiliert, der über 20 Künstler*innen und Bands versammelt, die ihre Songs allesamt kostenfrei zur Verfügung gestellt haben. "Wir haben nichts als Respekt und Liebe und Hochachtung für Menschen übrig, die ihre Zeit zur Verfügung stellen und ihr Leben aufs Spiel setzen, um andere Menschen zu retten. Danke, dass ihr euch traut und das tut, was wir nicht machen", so Timo Löwenstein (Unter Schafen) und Rainer G. Ott (Grand Hotel van Cleef). "Verschenkt diesen Sampler, streamt ihn und verschenkt ihn dann nochmal. Es ist so einfach zu helfen. Auf das es bald die Sea Punk 2, die Sea Grufti 3 und die Sea HipHop 4 gibt. Oder noch besser: Dass wir diese Schiffe alle nicht mehr brauchen."
„Junkies und Scientologen“ baut noch mal richtig an.Die Bonus-Veröffentlichung „Gold“. Acht Stücke,acht außergewöhnliche deutschsprachige Coverversionen. Uhlmannund seine neu formierte Band interpretieren Lieblingsmusik -oder wie es beim Künstler selbst heißt: „Einen guten Songkriegt man nicht kaputt, nicht mal wir.“Doch bei aller Koketterie, es wird bei diesem Projektwahnsinnig schnell deutlich, hier ist kein Abrissunternehmenam Werk - im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, Stücken, dieeinem wirklich etwas bedeuten, mit einer eigenen musikalischenInterpretation die Ehre zu erweisen.Am Anfang dieser Idee stand ein Track der Hamburger Trap-Rapperin Haiyti: „Gold“, das auch titelgebend fürs Albumwurde.Ein Haiyti-Stück auf seine Tragfähigkeit im Rockband-Outfitaustesten... Nun, fällt einem bei Trap-Sound, bei diesen uboot-mäßigen Beats und Autotune wirklich als Erstes ein:„Geil, lass mal Gitarre aus der Scheune holen, ich glaub, daskann man gut nachspielen“?Eher nicht. Bloß wenn man dann die ersten Zeilen hört, wennman hört, „Was soll ich mit allem Gold der Welt? / Ich willnur’n bisschen Zeit mit dir“, macht alles total Sinn. Manspürt, welche emotionale Nähe zum Beispiel zu alten Tomte-Texten besteht. Wen interessieren bitte Genre-Grenzen, wenn esinhaltlich so dermaßen klickt?So überführt Thees Uhlmann auf dieser Platte dieunterschiedlichsten Stile in einen höchst variablen Band-Sound. Dabei stutzt man garantiert mehr als einmal: Ach, unddas ist jetzt wirklich nicht von ihm selbst? Nein, allesCoverversion, wir schwören. Die Stücke, die dabei so gut insUhlmannversum passen, stammen von 2raumwohnung, Östro 430,Sophie Hunger, Klotz + Dabeler, Nena, die Braut haut ins Auge,Judith Holofernes.Hand aufs Herz: Wären in dieser Auflistung gerade die üblichenTypen-Only-Bands aus dem ewigen Typen—Only-Kanonvorbeigerattert, es hätte einen null verwundert, #abnicken.Jetzt aber bleibt man hängen.Warum eigentlich? Ok, „Gold“ featured einfach acht weiblicheActs. Gewöhnt euch halt dran! Man sollte sich doch viel eherwundern, wenn Frauen in der Musik mal wieder überhaupt keinbesonderer Wert zugestanden wird. Diese acht Coverversionenhaben dabei nichts Gönnerhaftes, nichts Breitbeiniges an sich,nein, sie entstanden aus einem tiefen Bedürfnis heraus.Denn nicht nur in dem Stück „Ich bin der Fahrer, der dieFrauen nach HipHop-Videodrehs nach Hause fährt“ auf dem neuenAlbum setzt sich Uhlmann mit dem Thema der Ungleichheit imMusikgeschäft und darüber hinaus auseinander.„Gold“ versteht sich allerdings nicht als Debattenbeitrag denneinfach als Selbstverständlichkeit. Vor allen Dingen aber istes eine Reihung von acht tollen Stücken. Und wen diese „KeineGEMA für Typen“-Idee der Platte von der Musik ablenkt, derhat’s echt noch nicht kapiert.Alle anderen hören bei jedem einzelnen Stück garantiert denSpaß an der Sache raus. Songs kommen zu verdienten Ehren, mantaucht ein in die Charts mit Nena oder 2raumwohnung genausowie in den Düsseldorfer Wave-Punk-Underground der Achtzigermit Östro 430 - und verdrückt eine Träne, wenn das wundervolle„Tausendschön“ an die zu früh verstorbene Almut Klotzerinnert.Die ein oder andere dieser Coverversionen wird man sicher auchmal live auf der anstehenden Tour zu hören bekommen.Mehr Bonus war nie.Text: Linus Volkmann
Thees Uhlmann Plastiskop Bildbetrachter: Die härtesten Bilder vom jungen Thees U. aus H., komplett unzensiert, zum durchlinsen und durchklicken in einer schönen Retro-Plastikkiste.Vorhang auf für die Horrorshow! Material: Plastik
Junkies und Scientologen erstmals auf Doppel Picture LP erhältlich.
Irgendwann, schon vor langer Zeit, hat Thees Uhlmann sich entschieden. Entschieden, für das Ganze und gegen das Halbe und dafür niemals zu zaudern. Sondern aufzuräumen. Mit sich, mit der Welt, mit seinem Umfeld, mit Deutschland, mit allen und mit allem Drumherum. Doch mehr als für alles andere hat er sich dafür entschieden zu verstehen. Alles zu verstehen. Und deswegen ist er es auch, der nach Frank Sinatra und Richard Ashcroft ein Song namens New York geschrieben hat und ihn singt, und zwar so wie es keiner je getan hat.Es ist kein Song gegen Amerika, es ist kein Song gegen Antiamerikanismus, es ist ein Song für für für... für Liebe, für den Moment und für das Verstehen. New York ist keine Hymne an eine Stadt, es ist einfach nur das allerschönste Liebeslied. Es ist fast so als hätte es eine Millionen schlechte und peinliche Liebeslieder nie gegeben. Von sich überzeugt singt Uhlmann Man fühlt sich als habe man die Liebe erfunden und ich frage mich wie sich jemand fühlen muss dem so etwas eingefallen/aufgefallen ist. Eine Reise durch sich selbst, eine Reise um die Welt!Würde sich die Hochkultur für Popmusik interessieren, Tomte wäre ihr Steckenpferd. Weil Uhlmann sich die Themen zurück erobert. Er geht hin und bricht alles auf die Essenz herunter: Die Liebe, Das Leben, Die Welt.Und die Musik? Um ehrlich zu sein gibt es keine andere Band, keine andere Stimme die das in einem auslösen kann was beim hören von Tomte Songs in und mit einem passiert. Diese Band bewirkt in einem eine Mischung aus Euphorie und unglaublicher Berührtheit. Man fühlt sich viel mehr als nur berührt, man fühlt sich endlich mal wieder richtig ergriffen und gepackt. Die Musik, sie schleudert einen gegen die nächste Wand und man denkt noch Hach, ist das schön. Das tut gut, das war schon lange mal nötig. Danke! um danach erst mal erleichtert auszuatmen...Hören sie auch wie diese Band auf internationalem Niveau mitspielt? Wie Swen Meyer - einmal mehr - eine Produktion hinlegt, an der man sich in den nächsten Jahren messen wird müssen? Uhlmanns Stimme klingt ungewohnt jung. Und mal wieder klingt sie zwar rein aber doch gezeichnet und rauh. Vielleicht ein bisschen wie Schweizer Alpen-Quellwasser, Jahrhunderte altes, klares Felsfiltrat, das auf dem Weg ins Tal viele kleine Kieselsteine mit sich trägt.Doch Schluss mit zwanghaften Metaphern oder Vergleichen. Denn schon kommt der nächste Refrain, er macht dir den großen, den ganz großen Hof: Könnten wir gehen vom Süden des Landes bis zum Norden der Welt um zu sehen was der Stand ist, ich werde dich wieder sehen weil ich es will. Und wir singen ein Lied das uns begeleitet, ein kleines Licht das durch die Dunkelheit leitet. Ich werde dein Schatten sein wohin du auch gehst.Und ich nehme den Song beim Wort. Ich nehme ihn, die ganze Band und das Album mit. Mit in mein Leben. (Simon Raß 2005)
Ein handgeschriebener Zettel am Schwarzen Brett seiner Schule – »Wer will mit zum Toten-Hosen-Konzert nach Hamburg? Bus wird organisiert. Eintragen!« – markiert den Beginn eines Orkans, der Thees Uhlmann aus der Ödnis ins Paradies wirbelt. Es ist 1988, und wer wie Thees Uhlmann zwischen Helmut Schmidt und Angela Merkel als Punk in Deutschland aufwächst, der liebt die Toten Hosen für immer. Und lernt fürs Leben: »Befehl an alle! Bleibt besser klug.« Thees Uhlmann erzählt von einer Liebe, die seit 30 Jahren währt, von einer Freundschaft, die entstanden ist, von gemeinsamen Konzerten und Fußballausflügen und dem Blitz der Erkenntnis in den bizarrsten Situationen.Ungekürzte Autorenlesung, über 3 Stunden Laufzeit auf 3 CDs."Wenn Thees sein erstes Konzert von uns beschreibt, dann ist das fürMusik das, was Fever Pitch für Fußball ist!" - Breiti von Die Toten Hosen
Das, was man hat, verschenkenVon Christoph KochEs ist schwierig, die Qualität einer Band an ihrer Herzensgüte zu messen. Nett sind viele. Aber Tomte sind die einzigen, die ich kenne, die ihre Freigetränke mit beiden Händen an Freunde verschenken, die gekommen sind, um sie spielen zu sehen. Die dafür auch einen immer noch überfüllten Konzertraum mehrmals durchqueren. Und einem dann, wenn der Kopf zu schwer ist, um noch irgendwohin zu kommen (geschweige denn nach Hause) den ausgemergelten Arm um die Schulter legen und ein Nachtlager anbieten. Und am nächsten Tag einen Platz im Bandbus. Tomte das sind Thees, Olli, Dennis und Timo verschenken sich, verschwenden sich mit allem was sie tun. Mit aufgehaltenen Armen gehen sie dahin, wo es weh tut, wo Heilung und Zuspruch gebraucht wird. Dabei sagen sie dann Sachen wie Es liegt alles offen vor dir und schwören, durchzuhalten.Du wirst Tage verbringen, an denen Zähne nicht knirschen.Es ist 2003. Die Party ist vorbei. Jeder hat mittlerweile einen guten Freund, der gefeuert wurde. Immer mehr Menschen bekommen inzwischen diese Briefe von ihrer Bank, in denen etwas steht von über den gemeinsam vereinbarten Kreditrahmen hinaus und vieles lässt sich in einem einfachen Gespräch klären.In diese unschöne Zeit hinein haben Tomte zusammen mit ihrem Produzenten Swen Meyer eine Platte aufgenommen, die Bestand haben wird. Sie wird Menschen berühren und glücklich machen, wie es das vor Jahren das erste Tocotronic-Album getan hat oder die letzte Viertelstunde von Absolute Giganten oder Judith Hermanns Buch Sommerhaus, später. Denn sie macht Mut, sie spendet Trost, sie lehrt, das Leben zu lieben. Die Produktion, Vermarktung und Präsentation des Albums treten Tomte dabei nicht an einen seelenlosen Plattenkonzern ab, der in seiner übrigen Zeit schnelldrehende Fetenhits auf den Markt wirft, sondern nehmen sie mit ihrem eigenen Label Grand Hotel Van Cleef (vgl. Kettcar) selbst in die Hand. Coldplay und Embrace dürften die einzigen Bands sein, denen es ähnlich gut gelingt, grenzenlose Traurigkeit und euphorisierende Hoffnung zu verbinden. Frei von der Dummheit eiserner Kreuze auf Plattencovern. Frei von ironischer Abgebrühtheit.Wie gut die Zeit mit dir verrinnt, die uns bleibt, bis wir gehen. Lass mich vor dir sterben.Ähnlich dem letzten Tomte-Album Eine sonnige Nacht dreht es auch diesmal um den Themenkomplex in Würde älter werden. Dabei geht Hinter all diesen Fenstern sogar noch ein Stück weiter, nämlich auf die Suche nach grenzenloser Ruhe und Frieden. Es geht um die Liebe zu den Menschen und darum, diese zuzugeben und zuzulassen. Es geht um Schlaflosigkeit, um Träume und häufig auch um den Tod einer geliebter Person. Um den rührenden Wunsch, sein Leben für jemanden hingeben zu können. Hinter all diesen Fenstern ist der Soundtrack für eine Generation, die sich nach Ruhe sehnt, aber gleichzeitig vor nichts so viel Angst hat. Die sich täglich durch Krach und Schmutz und Staub kämpfen muss, auf der Suche nach einer Atempause, einem Schoß zum Ruhen oder Zauberberg-esken Liegekuren und dabei trotzdem stets befürchten muss, etwas zu verpassen...Von Elton John wird die Geschichte kolportiert, dass er einmal von einem Album einer Band, die ihm wichtig war, 100 Exemplare kaufte und jedem, den er wertschätzte, eine Kopie schenkte. Ich werde es ihm mit Hinter all diesen Fenstern gleich tun. Es wird nicht für 100 Exemplare reichen, denn es ist 2003 und die Party ist vorbei. Der Brief von der Bank ist heute morgen gekommen.
Als Tocotronic 1994 ihre erste Single aufnahmen, konnte niemand ahnen, dass sie eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands werden sollten. Mehrere Hitsingles und fünf Charts-Alben später gäbe es immer noch kein Buch über das Innenleben des Phänomens Tocotronic wäre da nicht Thees Uhlmann, der sich die Mühe gemacht hat, während der ausgedehnten Live-Touren des Jahres 1999 zur K.O.O.K.-Platte ein Tagebuch zu führen. Aus der Insiderperspektive zeichnet Uhlmann ein authentisches Bild vom Leben auf Tour zwischen Tränen, Alkohol, Autobahnraststätten und Nahrungsverweigerung. Hier werden jedoch keine Denkmäler für musikalische Überstars errichtet. Vielleicht weil diese Aufzeichnungen nie als Buch, sondern als flüchtiges Internet-Dokument gedacht waren, gelingt es Uhlmann, die Protagonisten seiner unkonventionellen Stories Arne Zank, Jan Müller und Dirk von Lowtzow vor allem als Charaktere darzustellen. Das Vorwort hat Arne Zank geschrieben. »So wie Tocotronic noch einmal das große Rockding nachbauen von ihrer mittlerweile sprichwörtlichen Parole Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein bis zu Let There Be Rock , stellt Uhlmann das Fantum nach. Uhlmann will noch einmal Teil der großen Sache sein. Es geht um Gefühle von absoluter Nähe und respektvoller Ferne und um das unbeschreibliche Glück, dabei sein zu dürfen.« (Jens Friebe in Jungle World) »Am Ende des Buches hat man das Gefühl, Thees wäre ein guter Freund. Man möchte ihn in den Arm nehmen, die Hand wärmend auf den geschundenen Rücken legen und ihm sagen, dass das schon wieder wird.« (Macht Nr. 3) »Es geht um Gefühle von absoluter Nähe und respektvoller Ferne und um das unbeschreibliche Glück, dabei sein zu dürfen.« (Jungle World) »So wird aus dem Tourbericht der zurzeit wohl bekanntesten deutschen Rockband ein Stück Bekenntnisdichtung: eine Reflexion über Freundschaft, Jugend und das Leben zwischen Köln, Berlin und Nordsee.« (taz) »Real Time Tour Soap« (Intro)
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Wie kaputt muss man sein, um bei jemandem an der Tür zu klingeln und zu behaupten, man sei der Tod? Was wie ein schlechter Scherz beginnt, ist der Auf-takt zu einem hinreißenden, nicht enden wollenden Wortgefecht zwischen dem Tod und dem Erzähler, in dem es um Liebe, Freundschaft und Glauben, um den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg zur Mutter und zu Johnny, dem kleinen Sohn des Erzählers, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. Mit dabei: Sophia, die ruppig-souveräne und weise Exfreundin. Es ist eine Reise zwischen Himmel und Hölle, die geprägt ist von der Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod begeistert durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen aufwirft wie: Muss der Tod eigentlich pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? Und es geht um die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«? »Sophia, der Tod und ich« ist eine irrsinnig lustige, berührende Suada, druck- und kraftvoll in jeder Zeile. Die ganze Herrlichkeit des Lebens gefeiert in einem Buch.