Tonträger
immer wenn eine band ihr debüt-album dropt, erwartet man entweder den krassesten shit seit tina turner oder einen totalen flop á la minidisc-player. kommt die platte dann mit dem einladenden titel „langweilig“ daher, muss es sich dabei aber um ein understatement höchsten ausmaßes handeln. oder? mit ihrer ersten scheibe haben ELL nun ihre selbst gewählte schublade des krachpop fertig gezimmert. hier und da hackt sie etwas, läuft dann aber wieder aalglatt und fasziniert mit liebevollen schnitzereien. also alles andere als ikea-standardmaß mit post-it beschriftung. stattdessen hört man die handarbeit und den spaß an der unkonventionellen grenzüberschreitung. das einzige, was wohl langweilig gewesen sein muss, ist die zeit vor diesem album und vor allem vor der existenz dieses duos. denn ganz nebenbei, als wäre es nichts, ist den zwei schlitzohren ein besonderer coup gelungen: kurzer hand verschicken sie das album an alle menschen, die ein ticket im vorverkauf für ihre debüt-tour im herbst 2024 kaufen. menschen, die die band aktiv durch konzertbesuche unterstützen, haben mehr aufmerksamkeit verdient, als dass man auf ewig versucht die algorithmen der internetriesen zu pleasen. wie das album nun klingt, fragt man sich? einfach diese band auschecken und man wird antworten finden! „ultra-feministischer powerpop, der sich aber schwimmenden grenzen unterwirft und auch mal in fetten vollgas-punk gespült wird“ — away from life, 2025 „langweilig» mag vorne draufstehen, doch faszinierend, einzigartig und verdammt hörenswert sind die einzig gültigen attribute für diese hammerstarke platte. chapeau!“ — artnoir, 2025
„wenn du jetzt machen würdest, was du eigentlich schon immer machen wolltest - was würdest du tun?“ als dieser spruch auf dem gemeinschaftlichen küchenkalender auftauchte, war für lisa-anna (sie/ihr) und lennart (er/ihn) sofort klar: „lass ma auf die bühne und leute anbrüllen! also nicht böse, aber einmeißelnd!“ was daraus entstand, nennt sich heute ELL und ist ein duo, das mit wenigen instrumenten und weiblicher stimme die schönheit einer schlagbohrmaschine mit der power einer duftenden kirschblüte vereint. oder umgekehrt? wer vermag das - ELL x GHVC - 3 schon zu beurteilen! jedenfalls kommt am ende das an, was sie machen wollen. badabumm! das ist krach-pop! auf ihrer debüt-ep “wir sind” (produziert von und mit kurt ebelhäuser) und dem gleichzeitig veröffentlichten episodenfilm gibt’s die volle pracht zum maßlosen genusse. guten appetit!
alles unter kontrolle? wenn man sich umschaut, merkt man: wohl kaum. klimakrise, ungleichberechtigung zwischen den geschlechtern, sexismus, kapitalismus, hass. aber auch im kleinen ist nicht immer alles unter kontrolle. die zwischenmenschliche kommunikation funktioniert auch nicht immer so wie gewollt - auch unter menschen, die sich eigentlich mögen und sogar lieben. all diese themen greifen ELL in ihrer ep „alles unter kontrolle“ auf und man merkt schnell, dass der titel ironisch gemeint ist.